Zur Person

Ullrich Lutz, geboren 1949 in
Aschaffenburg, lebt seit 1969 in
Lübeck und leitet dort eine Ein-
richtung für Behinderte. In seiner
Ausbildung zum Erzieher lernte er
Speckstein kennen und setzt sich
seit dem künstlerisch mit diesem
Material auseinander.

Portrait

Der Autodidakt arbeitet an ab-
strakten Skulpturen, in denen freie
Formen, Kugeln, Flächen oder
Linien einen Dialog mit dem Stein,
seiner Oberfläche und Maserung
eingehen. Aber auch gegenständ-
liches Kunsthandwerk wie
Schachbretter und Windlichte mit
Lübecker Motiven oder Miniatur-
Bücherregale aus Holz gehören zu
seinen Arbeiten. Ullrich Lutz hat
sich bereits auf einigen Einzel-
austellungen in der Stadtbücherei
Lübeck präsentiert.





Nachgefragt

Wie sind Sie, Herr Lutz, 'auf den
Stein gekommen'?

Während meiner Ausbildung zum
Erzieher kam ich das erste Mal
mit dem Material Speckstein, auch
Seifenstein genannt, in Berührung.
Seit dem lässt mich dieser Stein
nicht mehr los. Durch die Arbeit
mit diesem Material habe ich im
Laufe der Jahre immer wieder viel
über mich und das Leben erfahren.

Was zum Beispiel?

Ich musste zunächst einmal die
Langsamkeit entdecken. Mit dem
Verlust der Kindheit beginnt ja
gewöhnlich eine Ära der Schnellig-
keit. In der Schule, im Beruf,
ganz allgemein im Leben ergeht
die ständige Aufforderung: Mach'
schnell - ganz weit im Hinter-
kopf verknüpft mit der Gleichung:
schnell = gut.

Aber ist schnell denn nicht gut?

Vielleicht manchmal im Sport, ob-
gleich auch hier die sich ständig
wiederholende Aufforderung nach
Schnelligkeit nicht nur Freude
auslöst. Und der olympische
Gedanke "schneller-weiter-höher"
führt ja oft auch zu zweifel-
haften Ergebnissen. Ganz schnell
schreiten wir durchs Leben und
stellen erstaunt fest, dass die
Schnelligkeit auch so ihre
Schattenseiten hat.













Und die Steine haben Ihnen dann
etwas über diese Schattenseiten
erzählt?

Ja, in der ganzen Schnelllebigkeit
unserer Zeit sind mir dann irgend-
wann diese Steine begegnet.
Steine, die in sehr langer Zeit
gewachsen sind und mir nach an-
fänglicher Hast und Eile ganz
klar gesagt haben: So geht das
mit uns nicht, lass Dir Zeit,
schau uns an, denke nach. Beachte
Größe und Struktur, Maserung und
Farbe. Beginne erst mit der
Arbeit, wenn du dir sicher bist.

Herr Lutz, Sie sagten bereits,
dass Sie durch die Arbeit mit
Speckstein auch 'für das Leben
lernen'. Was heißt das genau?

Mit der Langsamkeit der Steine
geht die Ruhe einher. Ruhe, die
ich brauche, aus der ich Energie
für mein Leben beziehe. Und die
Beachtung von Größe, Maserung,
Struktur und Farbe hilft mir auch
im Umgang mit den Menschen,
auch hier sind vorschnelle Ur-
teile oft nicht sehr hilfreich.

Sollen Ihre Objekte dem Betrachter
etwas davon vermitteln?

Ich wünsche mir, dass man in
meinen Arbeiten nicht nur das
Handwerk oder die Kunst sieht,
sondern durch sie vielleicht auch
ein Stück Besinnung erleben kann.

Das Gespräch führten
A.Katzberg und S.Lutz.
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